Thesen zur Prüfungskultur

Mathekenntnisse sind keine alleinige Schlüssel-
qualifikation. Schlechte Matheschüler werden
oft hervorragende Ingenieure und Unternehmer !

Mathematiker dürfen nicht als Hinausprüfer
mißbraucht werden (leider immer noch üblich) !

Das Lösen mathematischer Probleme ist mehr
eine Kunst als eine Wissenschaft.

Schriftliche sollten zugunsten mündlicher Prüf-
ungen zurückgedrängt werden und nur noch der
der Abprüfung von FaktenWissens dienen !

Intensive Gespräche sind notwendig , um wirk-
lich mathematische Fähigkeiten zu beurteilen !

Das schlechte Image mündlicher sowie die
Pseudo-Objektivität schriftlicher Prüfungen
müssen überwunden werden !

Problemlösungsstrategien sind wichtiger als
als reine Rechenroutine nachzuweisen !

Multiple-choice-Prüfungen sind bequem ,
aber wer weiß , was dabei eigentlich getestet
wird ?

Angesichts der moderner Hilfsmittel (wie zB
Computeralgebra) darf nicht weiterhin reine
Routine geprüft werden !

All genannten Punkte werfen viele Fragen auf ,
auf die es keine einfachen Antworten gibt.

 

10 gebote für die Stellung von Klausuraufgaben

G1 : alle Texte müssen klar definiert sein

G2 : es muß klar sein , was gegeben und gesucht
bzw welche Bedingungen erfüllt sein müssen

G3 : Schüler müssen den Schwierigkeitsgrad der
gestellten Aufgaben einschätzen können.

G4 : es muß klar sein , wie Lösungen zu präsen-
tieren sind (verbal , Formel, Tabelle....)

G5 : es muß klar sein , welche Hilfsmittel (zB
Formelsammlungen usw) zugelassen sind

G6 : es muß klar sein , wann das Problem als
gelöst gilt (das ist durchaus nicht trivial !)

G7 : es sollte bekannt sein , innerhalb welcher
Zeit die Aufgabe gelöst werden sollte.

G8 : es muß bekannt sein , wie stark die Lösung
jeder Aufgabe in die Bewertung eingeht.

G9 : es muß klar sein , mit welchen Hilfsmitteln
(zB Vektoren) das Problem zu lösen ist.

G10 : es muß bekannt sein , was man bereits über
das Problem weiß (Gebot der Fairness)

Der Berufsmorphologe Hermann Holliger sagte ,
es sei ihm in seiner ganzen Mathe-Ausbildung
an der renommierten ETH in Zürich kaum eine
Problemstellung begegnet , das auch nur einem
Teil dieser Mindeststandards genügt hätte ! Als
Schüler solltest du diese Mindeststandards
einfordern !

 

              Bewertung von Prüfungen

Die Willkürlichkeit der üblichen Bewertung
 von Prüfungen ist offensichtlich und wird 
von vielen zugegeben. Man verschanzt sich
hinter dem Argument , daß man nichts 
         „besseres“ zur Verfügung hätte.. 

Traditionelle Prüfungsmethoden sind nicht
mehr geeignet. Über Prüfungen und ihre 
Bewertung muß neu nachgedacht werden.
Neue wege der leistungsbewertung müssen
                   gefunden werden.

Schlecht bewertete Prüfungen fallen auf 
den Prüfer zurück ! Er hat die Studenten 
nicht als seine Kunden behandelt und 
        seine Ware schlecht verkauft !

Die Prüfer müssen an der Verbesserung 
ihrer diagnostischen Fähigkeiten arbeiten.
Die neue Lernkultur paßt nicht zu alter 
     Prüfungskultur !

 

Prüfungskultur Hilfsmittel

Formelsammlungen , Taschenrechner und
Bücher werden in Klausuren als Hilfsmittel
zugelassen , warum nicht auch Computer-
algebrasysteme wie Axiom , Maple , Mathe-
matica , Maxima ... ?

Da diese fast fehlerfrei sind , könnten viele
Fehler ausgeschaltet und ein Traum von
Schülern und Lehrern (?) erfüllt werden !

Warum gelten sie trotz allgemeiner Verfüg-
barkeit noch immer als verbotene Hilfs-
mittel ? In der Praxis sind sie längst
unverzichtbar geworden !

Kein Prüfer verlangt heute noch , dass du
Zahlen handschriftlich multiplizierst. Aber
du wirst immer noch mit der Berechnung
von Integralen wie ∫e-2x sin(3x) dx
konfrontiert !

Das sind genauso sture Routineaufgaben
wie die Multiplikation von Zahlen ! Wer
glaubt , daß solche Routine noch gefragt
ist ? Heute und erst recht in Zukunft
werden andere Kompetenzen gefordert !