Geschichten mit mathematischem Touch

suchst du in den meisten Mathebüchern vergebens , obwohl es
viele solcher Geschichten gibt. Eine geht so :

Der berühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauss war nicht
nur wegen seiner mathematischen Künste sondern auch wegen
seiner Wetterprognosen bekannt , die sich allerdings in mehr
als 50 % aller Fälle als falsch erwiesen.

Eines Tages hörte Gauss , daß ein Schäfer in der Umgebung
bessere Wetterprognosen abgab als er selbst. Er war darüber
sehr überrascht und wanderte eines Tages zu dem Schäfer
vor der Stadt.

Gauß fragte : „Wie kommt es , daß er so gute Wetterprognosen
abgäbe , obwohl er doch viel weniger wisse als er“ ?
Der Schäfer antwortete : „das ist ganz einfach ; ich sage immer
das Gegenteil von dem was Sie sagen“
Gauss soll damals sehr verduzt geguckt haben !

Es gibt auch eine Reihe von Büchern mit mathematischem
Touch : wir erwähnen hier :
Paolo Giordano : “Die Einsamkeit der Primzahlen” und
Daniel Kehlmann “Die Vermessung der Welt” (eine Art
Biografie von C. F. Gauß und Alexander Humbold).


                   Die Teilung der Pferde

eine berühmte „Keuner-Geschichte“ von Bert Brecht :

Zu einem alten Araber kamen drei junge Leute und sagten :
„Unser Vater ist gestorben. Er hat 17 Kamele hinterlassen
und im Testament verfügt , daß der älteste die Hälfte , der
zweite ein Drittel und der jüngste ein Neuntel der Kamele
bekommen soll. Wir können uns über die Teilung nicht
einigen ; entscheide du !“

Der alte Araber dachte nach und sagte : „Wie ich sehe
habt ihr zum Teilen ein Kamel zu wenig. Ich selber besitze
nur ein einziges Kamel , aber es steht euch zur Verfügung.
Nehmt es und teilt dann , und bringt mir nur das zurück ,
was übrigbleibt.“

Die jungen Leute bedankten sich , nahmen das Kamel mit
und teilten die 18 Kamele so , daß der älteste die Hälfte ,
der zweite ein Drittel , und der jüngste ein Neuntel der
Kamele bekam.

Zu ihrem Erstaunen blieb , als sie die Kamele zur Seite
geführt hatten , ein Kamel übrig. Dieses brachten sie ,
ihren Dank erneuernd , ihrem alten Freund zurück.

Herr Keuner nannte diesen Freundschaftsdienst richtig ,
weil er keine besonderen Opfer verlangte. --

Natürlich hat der alte Araber in seinem Testament einen
Fehler gemacht ! Welchen ?


                   Der Despot und der Untertan

ist eine Geschichte die zeigt , dass sich selbst aussichtslos
erscheinende Situationen meistern lassen :

Ein Despot hat einen Untertanen zum Tode verurteilen lassen.
Er will sich großmütig zeigen und verkündet vor dem Tribunal :

„Ich nehme einen weißen und einen schwarzen Stein vom Boden
in meine Hände. Ziehst du den schwarzen , wirst du gehängt.
Nur wenn du den weißen Stein ziehst kommst du frei“

Der Despot nimmt zwei Steine. Der Verurteilte , den die Angst
scharfsichtig gemacht hat , bemerkt jedoch , daß der Herrscher
zwei schwarze Steine genommen hat. Die Situation sieht
hoffnunglos aus !

Der Verurteilte zieht einen Stein. Ohne ihn anzusehen stellt
er sich ungeschickt und läßt den Stein auf den Boden fallen
(wo er sich mit den anderen vermischt) und sagt : „Oh ich
Tolpatsch ! Aber es macht ja nichts. Der übriggebliebene
Stein zeigt , welchen ich genommen habe“.

Da der verbliebene Stein schwarz ist , muß das Tribunal davon
ausgehen , daß der Verurteilte den weißen Stein gezogen hat.
Denn natürlich möchte der Despot seine Unredlichkeit nicht
zugeben !

Der Verurteilte hat eine aussichtslose erscheinende Situation
gemeistert ! Er hätte keine Chance gehabt , wäre der Despot
ehrlich gewesen.....


            Der Philosoph und das Kätzchen

eine von Victor Auburtin verfaßte Geschichte.

Der Philosoph wollte über das Wesen der Dinge nachdenken.
Aber seine Katze sprang auf den Tisch , schmiegte sich an den
Philosophen und störte ihn in jeder Weise.

Da warf er der Katze einen Sektpfropfen hin ; die Katze stürzte
sich darauf und begann ihn vor sich herzujagen. Und ungestört
konnte der Philosoph nun folgendes denken : Es ist etwas.
Aber was ist ? Und was heißt sein ? Was ist , kann nicht nicht
sein, und alle Dinge sind , die nicht sind.

Die Katze trudelte den Sektpfropfen vom Tisch zum Kamin ;
ihre Augen leuchteten vor Eifer ; denn der Verdacht war ihr
gekommen , daß dies kein gewöhnlicher Sektpfropfen sei ;
sondern eine Maus , die sich nur verstellte.

„Offenbar“ , folgerte der Philosoph weiter , „gibt es Dinge die
sind , und Dinge , die nicht sind. Die Welt teilt sich also in zwei
Kategorien : Kastegorie a : die Dinge, die sind und Kategorie b :
die Dinge , die nicht sind.

Aber was heißt nicht sein ? Nicht sein das heißt nicht vorhande
sein. Wenn ich also sage , in der Kategorie b sind Dinge , die
nicht sind , begehe ich einen Widerspruch.

Denn was nicht ist , kann nirgendwo sein auch in Kategorie b
nicht. So bleibt nur die Kategorie a übrig , und alle Dinge sind.
Es ist also etwas , aber was ist und was heißt sein ?

Während der Philosoph so dachte , hatte die Katze den Sekt-
pfropfen rund um das Zimmer gejagt und trieb ihn nun zum
Tisch zurück. Dort ließ sie ihn liegen , denn sie war jetzt
überzeugt , daß es doch keine Maus , sondern ein einfacher
Pfropfen sei.

Der Philosoph blickte sie an und lächelte. “Törichtes Tier” ,
sprach er , “bist du nun weitergekommen , daß du den Pfropfen
einmal im Kreis herumgejagt hast ?”