Wissen

(von lat. Videre = sehen) hat viele Facetten :
Faktenwissen ist wichtig , um Prüfungen zu
bestehen , obwohl es hierzu nicht ausreicht.

Implizites (stilles) Wissen spielt eine große
Rolle. wir wissen mehr als wir sagen können.

Negatives Wissen beruht auf schlechten Erfahr-
ungen ; merkst du dir diese , kannst du
viele Fehler vermeiden !

Prozedurales Wissen (zB schriftliche Multipli-
kation) ist genauso wichtig wie Faktenwissen.

Auf Schubladenwissen kannst du schlecht
zugreifen , da du oft nicht weißt, welche
Schublade du öffnen sollst.

Phantasie ist wichtiger als Wissen : Wissen
ist begrenzt.

Was ist der Unterschied zwischen einem
Spezialisten und einen Allgemeingebildeten ?
Der Spezialist weiß alles über nichts !
Der Allgemeingebildete weiß nichts über alles !

 

        Implizites Wissen

ist die verborgene Seite des Wissens. Wir wissen
mehr als wir sagen können. (wer kann genau sagen
wie radfahren geht ?).

Implizites Wissen bedeutet “können , ohne sagen
zu können , wie”. Jemand “weiß , wie es geht” ,
aber sein Wissen steckt implizit in seinem Können ;
ihm fehlen die Worte , sein Können zu beschreiben.

Implizites Wissen spielt in der Mathematik eine
größere als allgemein zugegeben wird ! Häufig
findest du Lösungen , ohne hinterher zu wissen ,
wie du auf sie gekommen bist !

Implizites Wissen spielt in der Forschung eine zu-
nehmende Rolle , da viele zentrale Wissensinhalte
nicht explizit vorhanden sind.

Ärzte stellen Diagnosen und Wissenschaftler analy-
sieren Experimente , ohne explizit alle Regeln an-
geben zu können , nach denen sie bei der Diagnose
oder Analyse vorgehen.

Sprachgebundenes Wissen ist zu weiten Teilen nur
implizit verfügbar (Sprachgefühl). Bedeutungs-
schattierungen : intuitiv , nicht verbalisierbar , nicht
formalisierbar , erfahrungsgebunden.

Implizites Wissen ist für die künstliche Intelligenz
eine große Herausforderung : Komplexes explizites
Wissen ist leichter zu realisieren , als scheinbar
unkompliziertes implizites Wissen.

Es ist einfacher , künstliche Systeme zu schaffen ,
die Sätze beweisen , als Systemen beizubringen ,
sich unfallfrei durch eine Alltagswelt zu bewegen.

Laotse sagte : „Die Redenden wissen nicht ,
die Wissenden reden nicht“

Negatives Wissen

bedeutet wissen , wie etwas nicht funktioniert ,
welche Strategien nicht zu einer Lösung führen
und welche Theorien falsch sind. Es beruht auf
schlechten Erfahrungen ; merkst du dir diese ,
kannst du viele Fehler vermeiden !

Zur Benutzung von Taschenrechnern brauchst
du negatives Wissen : sie liefern von mehr-
deutigen Funktionen (zB arcsin x) nur die sog
Haupwerte..

Im Laufe der Zeit sammelst du immer mehr
negatives Wissen : Differenzialquotienten dy/dx
sind trotz der Schreibweise keine Quotienten !
In unendliche Reihen darf nicht ohne weiteres
hineindifferenziert werden.

Negative Definitionen wie “ein Punkt ist was
keinen Teil hat” (Euklid) , werden heute gerne
belächelt. Dabei sind sie gar nicht so dumm.

Von vielen Dingen kann nur gesagt werden ,
was sie nicht sind. Gott ist sicher nicht der
rachsüchtige Gott des Alten Testaments !

Relevanz

Deine Bücher schütten dich mit Information
zu. Wer klärt dich über deren Relevanz auf ?

Die Entscheidung , was wichtig oder unwich-
tig ist , nimmt dir im allgemeinen niemand ab !

Belaste dich nicht mit überflüssigem Kram !
Vieles wird als wichtig verkauft , was es gar
nicht ist ! In Büchern und Vorlesungen ge-
brachte “Existenzbeweise” brauchst du nicht !

Viele Definitionen (zB Grenzwertdefinitionen)
sind irrelevant.

Ein Gehirn , das bis an den Rand der Aufnahme-
kapzität mit Infomationen zugeschüttet wird ,
arbeitet nicht mehr gut !

Achte bei Lösung von Aufgaben auf wichtige
und unwichtige (überflüssige) Informationen !

Das vorhandene Wissen übersteigt das Fassungs-
vermögen jedes einzelnen bei weitem. John v
Neumann schätzte 1940 , dass ein hervorragend
gebildeter Mathematiker ungefähr 10 % dessen ,
was damals bekannt war , wissen konnte.

 

Totes Wissen

Oft möchtest du deinen Kopf gründlich leeren
Du hast unbrauchbares Wissen angesammelt.

Wie schön war es , als du noch Kind warst. Du
konntest gar nicht genug Wissen in deinen Kopf
bekommen. Als Erwachsener hast du das Gefühl ,
daß nichts mehr in deinen Kopf geht. Du kommst
mit deinem Wissen geradeso durch die Welt , die
du als ganzes ohnehin nie verstehen kannst.

Totes Wissen liegt der notwendigen Erneuerung
im Wege , es ist nur scheinlebendig. Das Infor-
mationszeitalter hat zuviel Erfahrung entwertet.
Das alte Wissen von der Wirtschaft wurde als
altmodisch ausrangiert. Nur mit Information aus-
gerüstet , aber nicht mit Wissen , spekulierten
sich viele , die ihre Erfahrungen als tot wegge-
worfen hatten , in den Abgrund.

Für die Klausur stopfst du deinen Kopf mit
Wissen voll. Meist machst du die Erfahrung ,
dass es nicht brauchbar ist :
du hast totes Wissen angehäuft.

Der Zahlenwahn
Der Zahlenwahn beherrscht uns : Im Sport werden

Bruchteile von Sekunden gezählt ; es wird gezählt

wieviel blauäugige Finanzbeamte bei der letzten
Wahl die CDU gewählt haben....

Ein Vater berichtet , daß sein Neffe Adrian bei
einem AutoAusflug stundenlang nicht ansprechbar
war , weil er die Pfosten am Straßenrand zählte.

Adrian sagt , daß es genau 2531 Pfosten gewesen
seien. Der Vater : wozu willst du das überhaupt so
genau wissen ? Die Mutter von Adrian wendet ein ,
daß er das aus rein wissenschaftlichem Interesse
mache ; man könne nämlich im voraus nie wissen ,
wozu etwas gut sei.

Der Vater wendet ein , daß diese Untersuchung
keinesfall als abgeschlossen angesehen werden
könne : Als Kontrolle der Zahl müsse festgestellt
werden , ob auf der anderen Straßenseite ebenso
viel Pfosten gewesen seien.

Die Mutter : Hör auf , den Adrian zu verarschen !
Der Vater verarscht Adrian jedoch weiter , indem
er sagt : Wenn du erst einmal die Korrelation
zwischen der Zahl der Pfosten und der Zahl der
gefahren Kilometer festgestellt hast , dann ist die
ganze Zählerei überflüssig.

Willst du dann die Zahl der Pfosten zwischen A-
und B-dorf wissen , genügt es die Zahl der ge-
fahrenen Kilometer mit der Zahl der Pfosten pro
Kilometer zu multiplizieren.

Adrian : „Wer will denn das wissen ?“
Der Vater „Eben !“