Ein Wort an Lehrer

 Auch Lehrer leiden an Mathefrust ! Als Lehrer weißt
du , daß deine Schüler oft glauben , daß du wieder zu
schwere Aufgaben gestellt hast und dass es dir Spaß
macht , ihre Fehler rot anzustreichen. Natürlich ist das
eine Unterstellung. Du fluchst vielmehr über die vielen
                           Korrekturarbeiten.

Aber Hand aufs Herz : Richtest du dich nicht bequem
ein im System ? Als Mathelehrer hast du es einfach :
du streichst die begangenen Fehler an. Wenn du nach
dem Prinzip „je mehr Fehler desto schlechter die Note“
handelst , kann dich niemand der Willkür verdächtigen.
Da stehst du gegenüber anderen Lehrern gut da und
kannst dich hinter deiner „Objektivität“ verstecken.

Trotzdem fühlst du dich oft nicht ganz wohl. Läßt du dich
nicht oft (zB in Anfangssemestern) als Ausputzer benutzen ?
Andere haben dabei zumeist ein gutes Gewissen , nur du
nicht. Und du hast recht : Es gibt viele junge Menschen ,
die z.B. gute Chemiker werden könnten , obwohl sie in
Mathe schlecht sind. Warum willst du sie daran hindern ?

Leider stehst du mit deinem Unbehagen ziemlich allein
auf weiter Flur. Nur wenige Lehrer haben sich bisher
dieses Problems angenommen. Wir brauchen eine neue
Fehlerkultur ! Es reicht nicht aus , Fehler anzustreichen.

Nimm Fehler ernst als Elemente individueller Lernweg.
Denke laut und mache eigene Entwürfe sichtbar. Sorge
für ein gutes Unterrichtsklima. Du mußt herausfinden ,
       wie es zum jeweiligen Fehler gekommen ist.

Du darfst deine eigenen Fehler nicht vertuschen. Sonst
   sorgst du nur für Mathefrust bei deinen Schülern !

Du darfs „richtig und falsch“ nicht automatisch und
endgültig mit „gut und schlecht“ gleichsetzen !
 
Echte Kreativität ist ohne Fehler undenkbar ! Jeder
Versuch , aus dem etablierten System auszubrechen,
                       ist gerechtfertigt !

 

 


              Ein Wort an Schüler

Du weißt du wie es sich anfühlt , wenn dir dein Mathe-
Lehrer erklärt , dass deine Klausur wieder voller Fehler ist.

Das Urteil : „das ist falsch“ ist wie wenn jemand zu dir sagt :
du hast versagt , du bist eine Niete. Du schiebst dann die
Schuld auf andere : deinen miesen Mathelehrer , dein Eltern-
haus , deine schwierige finanzielle Lage... Und dann vergißt
du die ganze Sache wieder bis zum nächsten Mal !

Millionen von Schülern klagen über Mißerfolge in Mathe.
Doch Hand aufs Herz : Hast du jemals daran gedacht ,
was zu ändern ? Wie groß muß dein Leidensdruck noch
   werden , bevor du konkret etwas unternimmst ?

Wie wäre es mit dem Vorsatz : Das nächste Mal finde ich
meine Fehler selbst, bevor sie der Lehrer entdeckt ! Du
glaubst nicht daran : Dann verschwendest du nur Zeit mit
dieser website !

Frust entsteht auch durch die Praxis , Mathe (vor allem in
den Anfangssemestern) als Auslesefach zu gebrauchen
                     (bzw zu mißbrauchen ?)

Unter welchen Defiziten der Lehre hast du zu leiden ? Ist
dein Mathebuch eher trocken oder kannst du es interessant
         finden ? Werden Fragen beantwortet ?

Beim Lernen müssen Fehler passieren ! Lernen heißt auch
Fehler machen. Fehlervermeidung um jeden Preis bringt das
Lernen zum Erliegen. Lerne , Fehler zu akzeptieren. Handle
nicht nach dem Motto : Aus den Augen , aus dem Sinn.

Verlasse dich nicht auschließlich auf die Erklärungen deines
Lehrers. Du kannst selbst denken ; habe also den Mut dazu !